Der Mensch strebt nach Geborgenheit

Das war so, seit die Menschen den schützenden Urwald gegen die offene Savanne tauschten. Eine Umfriedung mag Sicherheit vor Feinden und Raubtieren geben. Aber erst ein festes Dach bringt relativen Schutz.
Eines der bestgeeigneten Dachmaterialien ist der Ziegel aus gebranntem Ton. Schon 3.000 v. Chr., in sumerischer Zeit, wurden solche Ziegel in Babylonien verwendet. Sogar glasierte Ziegel wurden hier schon hergestellt! In Ägypten und Griechenland wurde seit etwa 2.000 v. Chr. mit Ziegeln gebaut. Von hier gelangte die Tonziegelkultur nach Rom, das sich damals als Stadt der Ziegeldächer (tegulae) präsentierte. Später, zu Zeiten der Renaissance, kam z.B. in Florenz die Kunst der Ziegeldach-Herstellung zu hoher Blüte. Der 1420 bis 1436 von Filippo Bruneleschi erbaute Dom ist ein populärer Beweis dafür. Römische Legionäre brachten die ersten Tondachziegel nach Deutschland. Die ältesten Tondachziegel Deutschlands sind vom Kloster Altenmünster (8. Jh.) bekannt. Es entwickelte sich bald eine einzigartige Dachkultur. Reiseberichte des Mittelalters schildern Deutschland als Land der farbigen Dächer.
Schon im Parsival (1200-1210), dem Hauptwerk des Ritters und Dichters Wolfram v. Eschenbach, fand eine farbige Dacheindeckung erstmals Erwähnung. So beschreibt die Figur des Titelhelden das glitzernde Ziegeldach der Burg Montsalvatsch mit den Worten: "Sie hatte ein buntes Dach, so recht wie Pfauengefieder, hell gemalt und so farbig". Seit dem 14.Jh. gab es "Ziegelhütten" in Deutschland, die die prächtigen Eindeckungen von Burgen, Kathedralen, Schlössern, Rat- und Bürgerhäusern ermöglichten.
Ende des 19. Jh. wurde die Dachziegel-Herstellung industrialisiert. Ein Industriezweig, der die industrielle Revolution begleitete und heute - im Computerzeitalter - längst einen High-Tech-Standard erreicht hat. Bahnbrechend war dabei Wilhelm Ludowici, der mit dem legendären Z1 Muldenfalzziegel 1881 den Vorläufer des modernen Tondachziegels schuf.